Retinal Diagnostics

Die Netzhaut des Auges (Retina) ist ein Spiegel in das Innere des Gehirns

Die mobile Retina Diagnostik des Augenhintergrundes ist ein innovatives Highlight der ISS-Mission COSMIC KISS des deutschen ESA-Astronauten Matthias Maurer. Das Experiment soll Veränderungen an den Sehnerven und im Gehirn (SANS – Spaceflight Associated Neuro-ocular Syndrom) sichtbar machen. Diese gehören neben der kosmischen Strahlenbelastung zu den schwerwiegendsten Risiken auf Raumfahrtmissionen.

Da sich in der Schwerelosigkeit die Körperflüssigkeiten permanent in Richtung Kopf verschieben, sind Blutdruckregulations- und Mikrozirkulationsstörungen, begleitet von einem Druckanstieg im knöchernen Schädel, nicht ausgeschlossen. Diese Veränderungen im Auge-Gehirn Bereich bei Raumfahrenden müssen einer gezielten Therapie mit Gegenmaßnahmen unterzogen werden (medikamentös, durch individuelle Staumanschetten an den Oberschenkeln oder einen Unterdruckschlafsack), um die Aufrechterhaltung der kognitiven und mentalen Leistungen des menschlichen Gehirns sicherzustellen.

Durch Retina Diagnostik können der Sehnervenzustand, die Mikrozirkulation im Gehirn sowie ein erhöhter Hirndruck nichtinvasiv diagnostiziert werden. Mittels einer kleinen Linse, die über einen Adapter an Smartphones bzw. Tablets angebracht wird, lassen sich Bilder oder Videoclips von der menschlichen Netzhaut aufzeichnen, um im Weltraum ein Monitoring pathophysiologischer Veränderungen zu ermöglichen. Dies ist auch auf der Erde bei der mobilen Notfalldiagnostik eines Schädel-Hirn Traumas sehr relevant, von dem weltweit jährlich fast 10 Millionen Menschen betroffen sind.

Dieses mobile Verfahren ist gegenüber den bisher eingesetzten speziellen Augen – Netzhautkameras wesentlich preisgünstiger und unkompliziert. Bilder vom Sehnerv und Videos der Retina werden via Crew-Tablet von der ISS zum Boden übertragen und können von der Crew selbst- bzw. von FachärztInnen im Bereich der Augen-, Notfallmedizin, der Neurologie oder zur individuellen Gesundheitsrisikoabschätzung, auch in entlegenen Gebieten ohne medizinische Versorgung, herangezogen werden.

Link:

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin
Dr. med. Claudia Stern · E-Mail claudia.stern@dlr.de